Keuschhaltung – Die Praxis

Der erste Teil des Artikels ist bereits erschienen, ihr findet ihn hier.

Methoden der Keuschhaltung

Im Wesentlichen wird in einer Femdom-Beziehung die Keuschhaltung des Mannes durch zwei Maßnahmen sichergestellt. Die erste Maßnahme ist relativ einfach umzusetzen und eignet sich vor allem für Phasen des gemeinsamen Zusammenseins. Hierbei handelt es sich schlicht um die Beaufsichtigung des Mannes durch seine Herrin oder Partnerin. In ihrer Gegenwart wird es ihm kaum möglich sein, sich zu befriedigen. Ob er sich nachts, wenn er neben ihr liegt und während sie schläft einen runterholt, lässt sich in aller Regel jedenfalls im Nachhinein gut feststellen, wenn die Rückstände eines Samenergusses in der Boxershorts auffindbar sind. Etwaige Verstöße darf die Dame natürlich nach Belieben sanktionieren, wobei ein derartiges Verhalten des Mannes an Dreistigkeit kaum zu überbieten sein dürfte.

Schwieriger ist die Kontrolle des Mannes in Abwesenheit der Herrin. Hierzu hat sich in der BDSM-Szene die Verwendung eines Keuschheitsgürtels, genauer eines Peniskäfigs durchgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung, die sicherstellen soll, dass der Mann wenn er unbeaufsichtigt ist, nicht an seinem Penis spielt oder gar onaniert. Die Versteifung des Penis wird durch die einengende Wirkung des Peniskäfigs weitestgehend unterbunden, eine Stimulation mit dem Ziel des Samenergusses ist in der Regel nicht möglich.

Der Peniskäfig ist eine in der Regel aus Kunststoff oder Edelstahl bestehende Vorrichtung in Form und Größe eines schlaffen Gliedes. Er wird mit einem Ring um den Hodensack des Mannes gelegt und dann mittels eines kleinen Vorhängeschlosses fixiert. Die dominante Dame verwahrt den Schlüssel oder die Zahlenkombination des Schlosses, so dass der Mann es nicht ohne Beschädigungen öffnen kann. In der Regel wird das Schloss so beschaffen sein, dass es im Notfall leicht auch durch den Mann zu öffnen ist.

Beispiele für einen solchen Peniskäfig findet man z.B. bei Amazon.

Bei der Verwendung eines Peniskäfigs gilt es folgendes zu beachten:

Zunächst der obligatorische Sicherheitshinweis: Die Verwendung eines Peniskäfigs stellt einen körperlichen Eingriff an einer der sensibelsten Organes des Mannes dar. Sollte sich ein Paar zur Verwendung eines Peniskäfigs entscheiden, sollte man sich vorher über die möglichen Risiken, die von Mann zu Mann und von Peniskäfig zu Peniskäfig unterschiedlich sein können, im Klaren sein und im Zweifel ärztlichen Rat einholen. Dass dies in der Praxis sehr selten geschieht ist mir natürlich bewusst, dennoch kann es bei unsachgemäßer Anwendung eines Peniskäfigs, vor allem bei zu ausgedehnter Tragedauer, zu Beeinträchtigungen kommen. Neben den körperlichen Auswirkungen sind auch psychische Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Keuschhaltung stellt eine BDSM-Spielart dar, die wie andere BDSM-Spielarten auch, erhöhte Anforderungen an Belastbarkeit von Körper und Geist stellt. Eine der häufigsten Nebenwirkungen stellt das sogenannte „Blue Balls“ – Syndrom oder auch „Kavaliers-Schmerzen“ genannte Phänomen dar, bei dem durch einen Samenstau Schmerzen bis hin zu einem Anschwellen des Hodensacks und inklusive bläulicher Verfärbungen auftreten können.*

Für mich** hat sich folgendes bewährt:

  • Der Verschluss sollte nur in Abwesenheit der Herrin erfolgen
  • Der Penis und Hodensack sollte sehr gründlich gereinigt werden, wann immer möglich
  • Der Schambereich sollte gründlich enthaart sein
  • Die Verschlusszeit sollte so gewählt werden, dass sie 48 Stunden nicht überschreitet. Dabei ist nicht gemeint, dass ein Mann alle 48 Stunden einen Samenerguss haben sollte. Aber spätestens nach dieser Frist sollte der Peniskäfig einmal entfernt, der Intimbereich gründlich gereinigt und der Peniskäfig ebenfalls gut gespült werden. Außerhalb des Verschlusses kann die Herrin den Mann ja durch reine Beaufsichtigung keusch halten.
  • Der Peniskäfig sollte perfekt passen und nicht zu preiswert sein. Eine Maßanfertigung ist zwar wünschenswert, aber in der Regel kaum bezahlbar. Dennoch rate ich eher zu hochwertigen Modellen. Eine Modellempfehlung möchte ich zwar nicht geben, aber die Bewertungen bei Amazon helfen, einen guten Überblick zu erhalten. Idealerweise lässt man sich in einem Fachgeschäft für BDSM-Zubehör genau beraten.

Unterschied zwischen Verschluss und Keuschhaltung

Keuschhaltung ist nicht mit der Verwendung eines Peniskäfigs gleichzusetzen. Die Keuschhaltung ist die Kontrolle der Frau über die männliche sexuelle Betätigung. Der Verschluss ist das Anlegen eines Peniskäfigs und dient der Keuschhaltung. Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil aus meiner Sicht ein Verschluss nicht länger als 12 Stunden (im Extremfall 48 Stunden, siehe oben) stattfinden sollte. Die Dauer der Keuschhaltung insgesamt (aus der Kombination Kontrolle/Verschluss) kann ausgedehnter sein. Wie lange eine Keuschhaltung sinnvoll ist, muss jedes Paar für sich selbst herausfinden. Allerdings ist ein Zeitraum von 4 oder 5 Tagen aus meiner Sicht für einen normal sexuell motivierten Mann bereits ein relativ langer Zeitraum. Wochen- oder gar monatelanges Keuschhalten oder gar Tragen eines Peniskäfigs wird zwar immer wieder in einschlägigen Internetforen postuliert, allerdings halte ich derartig lange Zeiträume für unrealistisch, da aus Enthaltsamkeit irgendwann Frust wird und 4 – 5 Orgasmen im Monat für einen Mann schon eine drastische Reduktion darstellen. Unter normalen Bedingungen wird ein Mann sich ein bis zwei mal am Tag selbst befriedigen, also zwischen 45 und 60 Orgasmen im Monat erleben. Selbst wenn man dem Mann alle 4 Tage seinen Spaß gönnt, reduziert man das auf etwa 7 – 8 Orgasmen, man kann sich also ausrechnen, dass selbst eine Keuschhaltung über einen relativ kurzen Zeitraum bereits 75% aller üblichen Selbstbefriedigungsaktivitäten unterbindet. Führt man sich das vor Augen stellt man fest, welch großen Eingriff eine Keuschhaltung bereits in dieser „milden Form“ in die sexuelle Aktivität des Mannes darstellt. Aus meiner Sicht gehören daher Berichte über Wochenlange Keuschhaltung von Männern in das Reich der Mythen.

Verwendung der Keuschhaltung als Erziehungsmethode

Ein Kernaspekt von BDSM ist die Kontrolle und Dominanz über den jeweiligen (Spiel-) Partner. Im Falle eines Femdom-Verhältnisses beherrscht die Frau den Mann, er hat sich ihren Wünschen unterzuordnen, Verfehlungen werden in aller Regel sanktioniert. Neben der vielzitierten „Peitsche auf den nackten Arsch“ eignet sich die Keuschhaltung des Mannes hervorragend als Steuerungsinstrument, Sanktionsmittel aber auch im Falle der Gewährung eines Orgasmus als Belohnungsinstrument.

Fehlverhalten führt zu einer Verlängerung der Keuschhaltung, Wohlverhalten zum Gestatten eines Orgasmus. Meiner Erfahrung nach eignet sich die Keuschhaltung vor allem in den Fällen, in dem eine erhöhte Aufmerksamkeit bzw. ein erhöhtes Zuvorkommen durch den Mann durchgesetzt werden soll. Auch wenn ich persönlich kein Problem damit habe, den Rohrstock zu schwingen und Verfehlungen im Stile einer Gouvernante zu ahnden, so habe ich festgestellt, dass die Verweigerung von sexueller Befriedigung so manches Mal die effizientere Erziehungsmethode darstellt, da sich der Mann dann dauerhaft Gedanken macht, wie er seiner Herrin wirklich dienen und gefallen kann.

Ich kann nur jedem Paar, dass sich für weibliche Dominanz im BDSM – Kontext interessiert empfehlen, sich dem Thema Keuschhaltung (ob mit oder ohne Peniskäfig) einmal zu nähern.

Viele Grüße,

Eure Maria

*Diese Einschätzung ist nicht als medizinischer Rat zu verstehen, sondern stellt lediglich die Meinung einer medizinisch nicht ausgebildeten Bloggerin dar.

**Die nachfolgenden Ausführungen geben meine ganz persönlichen Erfahrungen wieder und sind entsprechend nicht empirisch belegt.