Erste Erfahrungen – Teil 1

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Versuche im Bereich BDSM. Als ich Anfang Zwanzig war – heute wäre ich damit vermutlich ein Spätzünder, aber ich komme vom Lande – studierte ich BWL an einer renommierten Universität in NRW. Als Single nutzte ich die Zeit, mich auszuprobieren und hatte das, was man wohl als lockere Verhältnisse bezeichnen würde. Da nicht alles von Dauer war, konnte ich nicht unbedingt eine Vielzahl, aber doch eine gute Mischung an Männern mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Neigungen kennenlernen. Ich weiß nicht mehr, wie viel Alkohol im Spiel war, aber ganz nüchtern war ich glaube ich nicht mehr, als mir meine damalige Dauer-Affäre beichtete, dass er devot sei. Wer meine Texte, insbesondere die meines alten Blogs, kennt, der weiß, dass ich nicht gerade zimperlich bin.
Mit Anfang Zwanzig sah meine Welt aber noch anders aus. BDSM hieß damals noch Sado-Maso, war weder schick noch in den Medien vertreten (Auch wenn es „RTL2-Die Reportage“ damals mit Sicherheit schon gab, ging das an mir vorbei) und meine allgemeine Auffassung der Thematik war, dass es schlicht pervers ist. Männer, die sich gerne auspeitschen ließen, waren auf den ersten Blick betrachtet für mich notgeile Lüstlinge, die weder meine Zuneigung noch mein Interesse verdienten. Nun war es damals so, dass meine Affäre mir durchaus ans Herz gewachsen war und ich – der 2,99 Euro Grauburgunder wird seinen Beitrag geleistet haben – mich auf eine Diskussion über das Thema einließ. Wobei ich nicht viel dazu beizutragen hatte, da ich gänzlich unerfahren war. Ich kann den Dialog nicht mehr in Gänze nachvollziehen, ich weiß nur, dass er relativ offen von seinen Neigungen berichtete und ein Gefühl der Neugier in mir aufstieg.
Der ein oder andere Leser wird nun vermutlich erwarten, dass ich am selben Abend noch meine ersten Erfahrungen machte und von da an meine Bestimmung gefunden hatte. Dem war nicht so, eher im Gegenteil. Ich verließ ihn. Nach diesem Gespräch war die Spannung zwischen uns nicht mehr die selbe, ich weiß nicht mehr genau warum, aber ich sah ihn irgendwie nicht mehr als potentiellen Sexualpartner. Zunächst trafen wir uns noch, ohne miteinander zu schlafen, schließlich ignorierte ich seine SMS und ICQ-Nachrichten (Das war damals der heiße Scheiß an der Uni) und nach einigen Wochen war das Thema dann durch.
Meine weiteren Berührungspunkte mit BDSM ergaben sich dann in Form von Filmen, Neuneinhalb Wochen und vor allem Tokio Decadence behandelten das Thema unter verschiedenen Aspekten. Der erste Film verstimmte mich ehrlich gesagt etwas, der zweite jedoch zeigte mir, dass es viele Seiten von BDSM gibt und die Frau nicht notwendigerweise die schwache Seite sein muss. Ich meldete mich in einem Sadomaso-Forum an, ich glaube es wurde damals von Spin-Chat betrieben, vermutlich gibt es den Chatraum noch heute. Außerdem informierte ich mich auf Seiten wie dieser hier über das Thema. Schließlich war es soweit.
Ich war 22 oder 23, als ich mich das erste mal mit einem devoten Mann traf. Ich bestellte ihn in eine Eisdiele und sagte ihm, er solle ein rotes Polohemd tragen, damit ich ihn erkennen würde. Die Eisdiele lag so, dass man sie von einer kleinen Brücke aus gut sehen konnte. Ich beobachtete ihn zunächst einige Minuten, bevor ich zu ihm ging. Auch wenn wir die „Rollenverteilung“ vorher geklärt hatten, fühlte ich mich alles andere als souverän. Er war zwei Jahre jünger als ich, ein sogenannter „Ersti“, also jemand, der gerade sein erstes Semester begonnen hatte. Wir unterhielten uns eine Weile und er lud mich zum Eis ein. Er gefiel mir, war aufgeweckt und hatte einen gut trainierten Körper. Nicht so gut trainiert, wie man es heute von den Bubis auf Instagram gewohnt ist, aber für Anfang der 2000er durchaus ansehnlich. BDSM war erst einmal kein Thema. Nach einer Weile gingen wir spazieren, es gab einen größeren See in der Stadt, nicht ganz so groß wie die Alster, aber groß genug für einen ausgedehnten Spaziergang. Als wir ihn etwa zur Hälfte umrundet hatten, schlug er vor, wir könnten uns auf eine Bank setzen. Ich stimmte zu. Es war ein warmer Juli-Tag, er war einer der Jungs, die zum Sommersemester ihr Studium begonnen hatten, da ihn vorher noch Verpflichtungen des Wehrdienstes in Anspruch genommen hatten.
Er fragte mich, ob er mir gefallen würde. Ich antwortete etwas in Richtung „mal sehen!“, oder etwas anderes, ähnlich unverbindliches.
Dann rückte er mit der Sprache heraus und gestand mir, dass er sich mir gerne unterwerfen würde. Natürlich hatten unsere Chats sich im Vorfeld schon um das Thema weibliche Dominanz gedreht, aber damals war es noch nicht so, dass sich jeder nach fünf Minuten virtuell vor die Füße einer Dame schmiss. Oder ich hatte einfach Glück gehabt, dass er bis zum richtigen Treffen gewartet hatte. Heute wird man bei Facebook ja direkt angeschrieben, ob man einen Sklaven suche oder was die Herren alles für einen tun könnten.
Ich gestand ihm, dass ich keinerlei Erfahrung damit hatte. Ihm ging es ähnlich. Auch er hatte noch keine dominante Frau im echten Leben getroffen. Ich sagte ihm, dass ich darüber nachdenken werde und bat ihn, mich nach Hause zu begleiten, da es langsam Abend wurde und ich an diesem Abend noch auf eine Studentenparty gehen wollte.
Er „gehorchte“ und brachte mich zunächst zu Fuß, dann mit dem Bus und dann wieder zu Fuß bis vor die Haustür. Seine Frage, ob er sehen dürfe, wie ich wohne, verneinte ich. „Vielleicht beim nächsten mal.“, sagte ich.
Auf seine Frage, ob er mich wiedersehen dürfe, antwortete ich ebenfalls instinktiv.
„Vielleicht.“
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